Firmenbriefkopf

Nr. 67 Gross-Gerau, den 24. 10. 1937


Lieber Martin

Deinen Bf. Nr. 66 erhalten und freut es mich, dass es dir in deinem neuen Geschäft gefällt; hoffentlich hast du jetzt das Richtige gefunden und (es wird) für dich eine lohnende Dauerstellung sein, damit du mal das Glück hast, Aufbesserung zu bekommen; denn wir können dir leider keine Beihilfe mehr leisten, da wir unsere Pässe nicht mehr verlängert bekamen.

Betreff der Erlangung besserer Bilder will ich mal durch Job hören, ob ich dir Gewünschtes besorgen kann! Übrigens habe jetzt viel freie Zeit und möchte ich mich auch mehr oder weniger auf´s Photographieren verlegen und habe vor,mir eine Montax III. anzulegen. Schreibe mir deine genaue Ansicht, ob dies der richtige Apparat ist. Wie ich höre, braucht die Fabrik ¼ Jahr Lieferzeit.

Die in meinem letzten Schreiben avisierte(n Zwillinge von Boppel annulliere ich hiermit und betrachte diese Meldung als aufgehoben, da sich herausstellte, dass es ein Scherz war; sie erwartet wohl im December was.

Nach einer kleinen Pause will dir noch mitteilen, dass inzwischen den Wagen an Herrn Willi Heimann im Reinholsheim i. Od(enwald) für Mk 850 verkauft habe. Ich brauche keinen und Job will sich einen kleineren kaufen.

Für heute noch einen herzl. Kuss von d. Vater.


Lieber Martin!

Diese Woche war Berthel 3 Tage hier, sie wartet auf Bescheid von Stuttgart; sie ist froh, wenn wieder richtig arbeiten kann. Wohin sie dann geht , ist unbestimmt; vorerst sind in N. York, bleiben aber; vorher heiratet sie Dr. Walter Cohn, ihren langjährigen Freund, der dann, wenn B(erthel) Fuss gefasst hat, nachkommt; erwähne nichts in den Briefen, da Fam. Sally Marx bis jetzt noch nichts davon weiss.

Tante Hilda ist wieder hier, so haben etwas Gesellschaft. Kahn´sind noch imm er am ollef, so haben noch unsere Samstag abende und freuen uns auf Jul(ius) und Frieda, die heute in 14 Tagen hier sind.

Du glaubst doch, dass Vater sich entschliesst wegzuziehen; er bleibt doch auf seiner Idee stehen, hier im Hause zu bleiben .

Irma Berger wird diese Woche ankommen, ob die Eltern weg konnten, wissen (wir) nicht.

Vater beauftragte mich, da(ss) er so schlecht den Brief lesen konnte, - sicher ist das Farbband verbraucht. Die Bildchen waren nett; die kommen zu unseren Collektion. Haben Hirsch´s eine grössere Wohnung oder wollten sie nur in eine andere Gegend ? Karl Kahn wird auch bald zu Euch kommen , dann werdet im Club Euch als treffen. Na, wenn der Hüttenkoch sich so gut bewährt, kann er ein Restaurant aufmachen. Kannst Du mal die genaue Adresse von eurem Geschäft mir schreiben; Lori hat auch darum gebeten, sie hat einen Vetter in Chic(ago) schon glaube 40 Jahre; es soll für die Verwandten von Pforzheim sein.

Vater fragt, ob Du von Cousine Alice Antwort hattest, sie bleibt in ihrer alten Wohnung, wie Carl geschrieben hat.

Es ist noch gutes Wetter, machen (rechter Rand) unseren Spaziergang in den Wald recht herzl. Grüsse Johanna Kossmann.

Im Briefkopf Lieber Martin, Heut weis ich nichts zu berichten; sei für Heute recht herzlichst gegrüßt und geküßt von Deiner Schwester Hede.



Number 67, Gross-Gerau October 24, 1937

Dear Martin,
We received your letter No 66 and were glad to hear that you liked your new job; hopefully you have now found the right one and it will be a rewarding and permanent one for you, so that you can get lucky and get a raise, since we can no longer send you money; our passes were not renewed.
With respect to taking better pictures, I will find out from Job if I can get you what you had requested. Recently I seem to have a lot of free time, and so I, too, would like to move into photography more or less and am planning to get a Montax III. Let me know what you think, if this is the right equipment. As I heard, the factory needs a quarter of a year to deliver. The announcement of twins in my last letter I am hereby withdrawing; it turned out it was a joke, she is expecting to deliver only in December…
After a small break I also want to tell you that I sold the car to Mr Willi Heimann of Reinholsheim in Odenwald for 850 marks. I do not need one and Job wants to buy a smaller one for himself. Warm greetings and a kiss from your Father.

Dear Martin,
Berthel was here for 3 days this week, waiting for news from Stuttgart; she would love to be able to work again. It is unclear where she will go; at first, to New York; she will marry Dr. Walter Cohn, her long term boyfriend who will follow her once she will have settled in; don’t mention anything about this in your letters as Sally Marx’ family does not know about this yet.
Aunt Hilda is here again, so we have some company. The Kahns are still here, so we can have our Saturday evenings and we look forward to Julius and Frieda returning in 14 days.
You think Father will decide to move; he insists on staying here. Irma Berger will arrive this week, whether the parents could get out we don’t know. 
Father lets you know through me that he could hardly read your letter – the tape must be worn out.  The pictures were nice: they come into our collection. Did the Hirschs get a larger place or do they wish to move into another area? Karl Kahn will also be with you soon, and then you can meet in your club with everybody. Well, if the cabin chef turns out to be that good, he can open a whole restaurant. Could you send me the exact address of your shop? Lori had also asked for it, a cousin of hers has lived in Chicago, I believe for 40 years already; the relatives in Pforzheim need it.
Father is asking if you got a reply from cousin Alice, she stays in her old place as we learned from Carl. The weather is still good, we go for walks in the forest. Warm greetings from Johanna Kossmann.

In the letterhead: Dear Martin, Nothing to report today. Warm greetings and kisses from you sister Hede.
 
credit: bg

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