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Firmenbriefkopf Nr. 62 Gross-Gerau den 22. Sept. 1937


Lieber Martin! Nächste Woche kommt Bericht von mir. Herzliche Grüße sendet Dir Deine Schwester Hede, Herzliche Grüße an alle Lieben dort.


Lieber Martin, deinen Neujahrsbrief Nr. ?? haben erhalten und ersah hieraus, dass ihr so schön gefeiert habe und wünsche ich, dass du weiterhin so gerne zum Gottesdienst gehst; auch ich bin ein eifriger Schulengänger geworden und versäume fas keinen Gottesdienst, wie die meisten hier am Platze, denn alle haben jetzt Zeit dazu. Marx Meyer hält einen sehr schönen Gottesdienst, wenn auch nicht so gut wie eurer Prediger in Ch(icago); so hat er doch vieles von Hartogson gelernt. Er hat an Rosch-haschanoh sehr schön gepredigt und an Jom Kippur alles allein gebetet. Ich bin morgens um 8 Uhr als 4. Mann hinein und Abends um 1/2 8 Uhr als letzter heraus gegangen., alles mit gebetet und sehr sehr gut gefastet. Denke nur auch immer so „von was Gutem, kommt Nichts Böses! Frau Kossmann und Hede haben auch sehr gut gefastet.

Frau Kossmann hat am 1. Tag Sucoth einen Gallenkrampf bekommen, der so schlimm war, dass den Arzt rufen mussten, der ihr eine Spritze zur Beruhigung gab; sie hütete zwei Tage das Bett. Heute morgen fuhr mit ihr nach FfM zum Arzt, der sie röntgete wegen dem Magen und muss sie heute Mittag um 5 Uhr nochmals hin zur Untersuchung der Galle und wird um 9 Uhr zurück kommen. Am Jom Kipur bekamen die 2 Kinder von Max Guthmann Nachricht dass die Bürgschaft für sie unterwegs sei und zwar von einem Onkel aus Chicago, wo sie auch hingehen; sobald (ich) den Namen von dem Onkel. weiss, werde ihn dir schreiben und hoffe, dass sie dir dein Geburtstagsgeschenk mitnehmen können.

Julius Strauß hat jetzt auch sein Haus verkauft und wird auch bald nach Chicago kommen. Am 14. Oktober geht Siegfried Goldberger und Herbert Wieseneck ist für in 14 Tg. n. Stuttg. bestellt und kommt auch nach Ch(icago).

Familie Rudolf Kahn hat am Montag ihr Visum bekommen und werden auch bald gehen. Soeben sagt mir Hede, dass der Onkel von Guthmanns Lederer heissen würde und ein Tapetengeschäft hätte, von August Hirsch kannst du Näheres hören; Salli Nachmann hat von seinen Verwandten im Milwaukee zu Feiertagen wieder 500 Doll. geschenkt bekommen.

Am Montag kommt Tante Hilda zu uns. Herzl. Kuss v. d. Vater.


Letter 62, Gross-Gerau, September 22, 1937

Dear Martin,

Next week you’ll get my report.  Warm greetings to you and all from your Sister Hede.

Dear Martin,
We received your New Year’s letter No. ?? and could tell from it that you too had a great fest and I wish that you continue to enjoy going to services in the future. I, too, have become diligent in attending Shul; I almost never miss a service, just like most others, as we all have more time now. Marx Meyer gives a beautiful service, although possibly not as good as your Rabbi in Chicago; but he learned a lot from Hartogsohn. He talked beautifully on Rosh Hashanah, and at Yom Kippur he said all the prayers by himself. I arrived at 8:00 as the fourth man, and left in the evening at 7:30 as the last one. I said all prayers and had a great fast. Just think: nothing bad comes from something good! Frau Kossmann and Hede had a good fast as well.
Frau Kossmann suffered a gallbladder attack on the first day of Sukkoth that was so severe, we had to call the doctor, who gave her a shot; she stayed in bed for two days. This morning I took her to the doctor in Frankfurt where her stomach was X-rayed, and at 5 she must go back for a check-up and will be able to leave only at 9. During Yom Kippur the 2 children of Max Guthmann received news that their affidavit is in the mail, sent by an uncle in Chicago who will also house them. As soon as I know the name of this uncle, I will let you know and hope I can send you a birthday gift with them. Julius Strauss also sold his house now and will go to Chicago. Siegfried Goldberger leaves Oct 14 and Herbert Wieseneck must report to Stuttgart in two weeks and he, too, goes to Chicago.
Rudolf Kahn’s family got their visa on Monday, and will leave soon. Just now Hede has told me that the Uncle of the Guthmanns is called Lederer and has a wallpaper shop; August Hirsch can tell you more about him. Salli Nachmann received again 500 dollars from his family in Milwaukee as a Holiday present.

Aunt Hilda arrives here Monday. Warm Kisses from your Father.

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