Firmenbriefkopf 7. Juli 1937


Lieber Martin!

Am Freitag kam ich wieder gut hier an und traf alle Lieben beim besten Wohle, Vater und Hede sehen gut aus; alles hier im Hause war tadellos und hat Hede den ganzen Haushalt schön in Ordnung gehalten. Ich hatte eine grosse Überraschung: Rosel war seit Mittwoch hier und blieb bis Sonntag abend, Sigmund kam am Samstag; es war sehr gemütlich und wurde bei uns Skat gespielt. Hier hat sich G. s. D. nichts ereignet, alles ist beim Alten und sin ind froh. Der Abschied von m(einen) Lieben ist mir sehr nahe gegangen, aber bin froh, wieder in m. Arbeit zu sein; habe schon Kirschen eingemacht und ist es bei der grossen Hitze nicht angenehm. Z. Zt. giebt es Johannisbeeren, Sauer Kirschen und demnächst Pfirsich, das Obst ist nicht billig.

Hier hin noch nicht ganz in allem so eingeweiht, nur weiss ich, dass Herr Löwy (Strauss) heute aufs Schiff ist. Goldberger ist am 2. Aug. in Stgt. bestellt.

Wir erwarten Tante Hans, Onkel Josef zum Jahrzeit. Vater hat mit Tante vorige Woche gesprochen, dies wird für sie auch mal gut sein, denn eine Ablenkung tut allen gut. Hoffe, dass einige Zeit hier bleibt. Ich glaube kaum, dass Vater auf die versch. Berichte Einfluss hat, das Gedächtniss ist nicht zu sehr zurückgegangen. Vater hat mit den Auszügen wieder genug zu tun, es ist gut, wenn die Herren Arbeit haben.

Du fragst nach Millly? Adresse; die ist zur Zeit auf Reisen. Hörte sehr nette Geschichten von ihr, der Wohnsitz ist A.

Hoffe, dass Du die Ferientage angenehm in eurer Hütte verbringst, geniesse die freie Zeit! Sage mal, habt ihr da Betten, oder schlaft auf Britchen (=Pritschen)?

Nächste Woche ist es schon 1 Jahr, dass Du weg bist, alles ist noch so als ob du gestern abgereist warst.

Willi Siegel und Frau haben auch schon das Visum, wollen am 2. Okt. nach U.S.A. Kahns rüsten feste. Hast Du m. Karte erhalten? Für heute noch herzl. Grüsse und bleibe gesund Deine Johanna Kossmann. Sonntag fahren nach Nierstein, es wird dann Schluss sein. Tante Selma war vorige Woche 50 Jahre, waren in Herrenalb.


Lieber Martin, ich freue mich, gute Nachricht von dir zu erhalten und kann G. s.D. von uns Gleiches berichten. Ich habe mich auch hier wieder rasch ans Faulenzen gewöhnt. Meine Halbjahres-Auszüge sind gemacht. Ich habe jetzt keine Kundenwechsel? mehr bei der Bank und auch keine mehr bei Frau K., auch meine übrige Schuld bei Frau K. habe bis auf 1 Mille abgetragen. Z.Z. habe 14,4 Mille Kundenwechsel im Schrank liegen. Die Aussennstände gehen langsam, aber ziemlich sicher ein. Ich hatte ja Zeit mit Eintreiben und dadurch auch Beschäftigung genug. Heute war in Mainz am Grundbuchamt wegen Überschreibung der 2 Grundschuldbriefe von Adolf Reinheimer Bischofsheim auf meinen Namen und habe gleichzeitig die Hamburger (Oppenheimers ) besucht, die am Samstag wieder heim fahren. In der Erbschaftsangelegenheit Tante Hannchen benötige umgehend folgende Adressen von dir oder, wenn du sie nicht weißt, frage bei Onkel Max oder Tante Sophie.

  1. von den 3 Töchtern von Eduard Rüb

  2. Martha Schaffner /

Herbert Schaffner / Kinder von Flora Schaffner

  1. Von Tynchen Fuhrmann Louis-Ville, wenn du letztere nicht weißt, werde sie via Nierstein erfahren.

L. Hede is heute abend aus und soll dich von ihr grüssen. Grüsse Onkel Max und Tante Käthchen von mir und sage Ihnen, dass ihr beide Anteile ihrem Wunsche gemäß an die Nauheimer Kinder gehen werden. Ich denke, dass die Angelegenheit in 5-6 Wochen erledigt ist. Für heute empfange noch einen herzhaften Kuss v. d. Vater.

July 7th, 1937

Dear Martin,
I returned home on Friday and found everybody doing well; Father and Hede look great; the house is spic and span, Hede kept everything in best shape. There was a great surprise for me: Rosel has been here since Wednesday and stayed until Sunday evening, Sigmund came on Saturday; it was very nice and we played skat. Not much had happened here, thank God, everything is as it used to be and we are glad about that. It was very hard to say goodbye to my family, but I am happy to be back at my work; I have already canned the cherries which was not so great because of the heat. At this point we also have blackberries, sour cherries and next peaches – fruit is not cheap.
We have not had the chance to catch up with the news here, I only know that Herr Löwy (Strauss) is on the boat. Goldberger must report in Stuttgart on August 2nd.
We are expecting Tante Hans and Uncle Josef for yahrzeit. Father called Auntie last week, this will do her good as a distraction helps all. Hope she will stay for a while. I can barely believe that Father can influence the various reports; his memory is still pretty good. He is again busy with the accounts; it is good when men have work to do.
You had asked for Millly?’s address: she is currently traveling. Heard nice stories from her, she lives in A. Hope you are having fun during the holidays in the cabin, enjoy your free time! Tell me, do you have proper beds there, or do you sleep on cots?
Next week it will already be 1 year that you are away, everything feels like you have just left yesterday.
Willi Siegel and his wife got their visa; they want to leave for the U.S.A. on Oct 2. The Kahns are getting ready. Have you received my card? Warm greetings and stay healthy, your Johanna Kossmann. We go to Nierstein on Sunday, then that will be the end of it.  Aunt Selma celebrated her 50th birthday last week, they went to Herrenalb.

Dear Martin,
Happy to hear your good news and thank God, we are doing well also. I got used to being lazy again pretty quickly around here. My mid-year statements are done. No more debts from clients. No more at the bank and nothing with Frau K, I paid all my debt to Frau K down to the remaining 1 thousand. Currently, I have 14.4k from clients in the box. The outstanding payments are coming in slowly but quite surely. I had spent much time trying to get them, which kept me busy. Today I went to Mainz, to the Land Registry office about putting the two basic debt letters of Adolf Reinheimer of Bischofsheim onto my name, and at the same time I visited the Hamburg Oppenheimers who will return home on Saturday. With respect to Aunt Hannchen’s inheritance matter I immediately need the following addresses from you or, if you do not know, ask Uncle Max or Aunt Sophie:
1) Eduard Rüb’s three daughters
2) Martha Schaffner / Herbert Schaffner / Flora Schaffner’s children
3) Tynchen Fuhrmann Louisville; if you don’t have it, I can find out from Nierstein.
Dear Hede has gone out tonight but sends her greetings. Say hello to Uncle Max and Aunt Käthchen from me and tell them that both of their inheritances will go to the Nauheimer children, as per their wishes. I think this will be completed in 5-6 weeks. For today, a warm kiss from your Father.

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