Lieber Martin 26.06. 1937

Hede hat dir alles von Belang berichtet, so dass für mich nicht mehr viel übrig blieb. Ich kam am Montag von Nauheim zurück und habe mich dorten sehr gut erholt; aber wie du ja weisst, bin auch froh, dass wieder zu Hause bin. Ich hatte sehrt nette Gesellschaft und that allen leid, als ich abreiste. Mein Freund Dannermann aus Stettin hat mich sogar bis FfM begleitet und 2 Tage später kam schon eine Karte von ihm ich, sollte doch wieder kommen. Dann hatte noch eine junge Amerikanerin am Tisch, die schon 3 Monate im Hotel ist und am letzten Dienstag nach Ffm ins jüdische Krankenhaus kam. Sie ist anscheinend sehr krank. Als mich von ihr verabschiedete hat sie sehr geweint. Ich versprach ihr, sie dorten hu besuchen. Zum Abschied sandte ihr einige Rosen. Sei heißt Frau Jacobson aus New York.

Da fällt mir ein vor 2 Jahren war doch in Kissingen ein Herr Jacobsohn aus Leipzig bei uns, mit dem du uns photographiert hast. Dies ist eine guter Bekannter von meinem Freund Dannermann; sie kommen alljährlich 2-3mal zusammen.

Moritz Mainzer ist seit gestern hier bei Onkel S(alomon) und fährt heut abend wieder heim; er lebt mit seinen Angehörigen in grossem Streit, besonders mit seinem Schwiegersohn. Letzte Woche war es so schlimm, dass Klara über Nacht hier war und Gretel sowie ihr Mann sich auch für die Nacht ausquartierten Am nächsten Morgen fuhr Sal. und Job mit Klara nach Ffm., um den Frieden wieder herzustellen, was bis jetzt noch nicht gelang. Mit Klara isst er weeder am Tisch. Erwähne in deinem Bf. hiervon Nichts. Frau K.(ossmann) kommt Ende dieser Woche.


Left margin: Herzl. Gruss von deinem Vater und Kuss.


June 26th, 1937

Dear Martin,
Hede has told you about all that matters, so I don’t have much to add. I returned from Nauheim on Monday and must say I had a great time there; but, as you know, I am also glad to be back at home. I had a great company and all were sad that I had to leave. My friend Dannermann from Stettin accompanied me to Frankfurt and 2 days later I have already got a card from him to come again. Then there was a young American woman at our table who had already stayed 3 months at the hotel and last Tuesday she had to go to the Jewish hospital in Frankfurt. She is quite ill, it seems. As we said our goodbyes she cried. I promised I would visit her there. I sent her some farewell roses. Her name is Mrs. Jacobson from New York.
It has just occurred to me: we had a Herr Jacobsohn from Leipzig in Kissingen with us 2 years ago, whose picture with us you had taken then. My friend Dannermann knows him well; they see each other 2-3 times every year.
Moritz Mainzer has been staying with Uncle S(alomon) since yesterday and goes home tonight.  He is having a big fight with his relatives, especially with his son-in-law.   Last week it was so bad that Klara spent the night here and Gretel and her husband also left for the night. The following morning Sal. And Job went to Frankfurt with Klara to make some effort at restoring peace but they have not succeeded yet. At least he and Klara are talking again together. Don’t say anything about this in your letter.  Mrs K(ossmann) returns this weekend.

Left margin: Warm greetings and a kiss from your Father.
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