Firmenbriefkopf alt Nr. 48 Gross-Gerau 2. 6. 1937


Lieber Martin! Ich glaube Dir, dass Du etwas enttäuscht warst, da Vater nicht kommt, ich kann Dich versichern, dass der Brief von M(ax) Herz nicht Schuld daran war, aber mit der Abwicklung ist furchtbar viel zu tun; es ist besser, dass Vater sich hier etwas erholt. Montag früh reisen alle ab; heute erhielt ich mein Visum und giebt es noch genug zu tun; ich werde Dir von unterwegs schreiben und erwarte von Dir Bericht.

Am Sontag zum Nachtessen waren die Niersteiner da und wird es doch später, bis sie nach Mainz gehen; es geht alles nicht so schnell - genau wie bei Kahn´s; diese sind feste dran, Karl zu besuchen, wird sicher August. Frieda vergeht, wenn sie Karl nicht zu sehen bekommt, solche nervöse Frau habe noch nicht gesehen.

Gestern Abend rief Feitler Groß-Rohrheim (an): Hilde hat sich nach Leipzig verlobt, der Herr hat Fette und Oele. Weisst Du, l. Martin, dass ich Dich beneide, solch billige Ananas hätte auch gerne; glaube, bis Samstag bekommen etwas Kirschen.Hede lernt jetzt englisch, ich höre Radio (Faust aus Paris) und sie lernt draussen im Zimmer, aber Vater kennt noch viel Worte und so ist er Hede sehr behilflich.

Linel Harolds Eltern schon drüben, - dann ging das schnell.

Hast Du noch immer eine grosse Correspondenz? Hörst Du von Rudi öfter und was treibt er? Für heute Schluss mit herzl. Grüssen für Dich auch an alle Bekannte und Verwandte von Deiner Johanna Kossmann.



L. Martin , Du glaubtest, der Bf von Max Herz hätte mich umgestimmt, aber dies ist nicht der Fall. Ich hatte dir doch schon früher abgesagt; ehe der Bf. von Max hier war, als seine Ansicht kam, sagte ich, man könnte glauben, wir hätten vorher zusammen gesprochen. Es ist doch auch so, wenn ich dieses Jahr gekommen wäre, hättest du dich im Geschäft doch nicht viel frei machen können, aber dafür verspreche ich dir, wenn alles gesund bleibt, dass ich im nächsten Jahr komme. Wie ich dir schon geschrieben, kann auch in diesem Jahr schlecht abkommen, da es viel Arbeit ist, bis alles geregelt und überschrieben ist und dann bin jetzt stark daran, die Gelder einzutreiben, was auch lange Zeit in Anspruch nimmt.

Wie heute Abend hörte, hat Hilda Meininger, die in Bulgarien verheiratet , ein kleines Mädel bekommen.

Am Montag gehe für 14 Tg. Bis 3 Wochen nach Nauheim und kannst Du deine Bfe doch hierher schicken, die werden dann nachgeschickt. Also lass es dir weiter gut gehen und sei vielmals geküsst von deinem Vater

Deine Monatsrate geht morgen ab.


No. 48, Gross-Gerau, June 2nd, 1937 

Dear Martin,

I believe you that you were disappointed that Father wouldn’t come, but I can assure you that this had nothing to do with the letter from M(ax) Herz; there is just too much to do with giving up the business; it is better that Father can relax here a little. Monday morning they are all leaving; today I got my visa and I still have enough to do; I will write you from my trip and hope to receive your report in turn.
The Niersteiners came over for Sunday dinner; it will be a while until they go to Mainz; it just does not work so fast – same as with the Kahns; they want to visit Karl but surely it won’t happen before August. Frieda will go crazy if she cannot see Karl soon, I’ve never seen such an anxious woman.
Feitler called Groß-Rohrheim last night: Hilde is engaged with a man in Leipzig who is into fats and oils. You know, dear Martin, how much I envy you: I, too, would love to have such inexpensive pineapples; perhaps until Saturday we’ll get some cherries. Hede is studying English, while I am listening to the radio (Faust from Paris) she is sitting outside in the other room, but Father knows many words and so he is of great help to Hede.
Harold’s parents are already over there – so that worked really fast. Do you still get many letters? Do you hear from Rudi? How is he doing? That’s it for today, with warm greetings to you and all from your Johanna Kossmann.

Dear Martin, 
You thought Max Herz’ letter caused me to change my mind, but this is not at all the case. I had already told you about not going, even before the letter from Max arrived, and when I saw what he had to say about this I said it looked like we had talked about this before. It is like this: had I come this year, you could not have made yourself available to me so much, but for that I promise you, if all stay healthy I’ll come next year. As I mentioned before, another reason why I cannot come this year is that there is so much work to do with closing the shop, finishing the paperwork, getting the payments in – all this takes a lot of time.
As I’ve heard tonight, Hilda Meininger who got married and lives in Bulgaria had a little girl.
Monday I’ll go to Nauheim for 2-3 weeks, but send your letters here, they will be forwarded to me. All the best and many kisses from your Father.
Your monthly allowance will be sent tomorrow.

credit: bg
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