Firmenbriefkopf Nr. 46 21. 5. 1937

Lieber Martin

Dein Bf. Nr. 43 kam am 19. 05. und Nr. 44 heute an. Es freut mich ausserordentlich daraus zu sehen, dass du jetzt doch einen verantwortungvolleren Posten zu versehen hast. Und bin ich der festen Überzeugung, dass du ihn auch voll und ganz ausfüllst. Dass du noch keine Aufbesserung bekommen hast, ist nicht schlimm, um so mehr Mühe musst Du dir geben.; denn einmal muss es doch kommen und kommt auch, wenn die Chefs sehen, dass du dir Mühe gibst und Deine Schuldigkeiten thust. Nun durchhalten! Denn wie ich doch von anderer Seite hörte, soll es doch eine gute Stelle sein, die du hast und soll Zukunft haben. Sieg(frie)d Strauß kam eben gerade ans Fenster und lässt dich grüssen; er wartet immer auf Bf. von Aug. Hirsch.

Also deine Einladungsbrief sowie deine Avvidative habe empfangen und werden demnächst auch mal damit zum Consul nach Frankfurt gehen, ob dies genügt; d. h. ich werde nur mal fragen. Meine Reise hebe mir wie dir schon geschrieben für nächstes Jahr auf, bis dorthin wissen vielleicht mehr wie heute. Ich habe vor im Juni für 14 Tg – 3 Wochen nach Bad Nauheim zu gehen. Frau Kossm(ann). geht solange nach Belgien und Hede nach Worms und evtl. nach Bretten und schliessen solange den Haushalt. Vielleicht kannst du mir die Adresse von Udo und Firs??chen besorgen, wenn nicht ist es auch nicht schlimm.

Sonst weiss für heute nichts von Belang und grüsse allel Lieben und sei du herzl. geküsst von deinem Vater.

Deine beiden Briefe erfreuten uns und hoffen, dass Du in deiner Stelle weiter Glück hast; also der Haushalt wird mal geschlossen und wenn Du mal mir schreibst an P. Marx rue de léglise 72 Anvers, vergesse mich nicht, sonst höre lange nichts von Dir! Wir freuen uns, wenn Du Sonntag tag ins Grüne gehst, denn frische Luft muss der Mensch haben. Sonntag wird hier das Schwimmbad eröffnet: ich sage Dir Grandisses am jüdischen Friedhof, aber ohne uns! Du müsstest das sehen, kostet ein Haufen Geld.

Tante Hans schrieb sehr unglücklich. Fred. ist wieder verreist , in der Pension, in der er über ein Jahr war, näheres wissen nicht, obwohl Vater Bodenheim angerufen hatte; die Frau hat so manches zu erleben. Onkel Salmon und alle sind G.s. D. gesund; er ist noch öfter in Mainz; dies ist seine Erholung. Heute hatte Karte von m(einer). Cousine, Frau Gudenberg; gehen nächste Woche nach Paris zu ihrem Sohn.

Für heute herzl. Grüsse von Johanna Kossmann.



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