Firmenbriefkopf 9.5. 1937

Lieber Martin!

Soeben haben wir 50 Flaschen Wein ausgepackt und in dem Keller aufbewahrt; willst Du nicht kommen und, um sie auszutrinken; bekommt Du drüben auch als mal Weine zu trinken? Wir freuen uns immer mit Deinem Brief und nimmt man sich dadurch einige Minuten Ruhe, um alles daraus zu entziffern; diesmal machte es uns Freude, da Du allem Anschein nach avanciert in der Arbeit bist, auch ein Fortschritt; jetzt kannst Du gewiss dein Hirn etwas anstrengen und dies war doch dein Wünsch. Heute ist Muttertag und waren Vater mit Hede auf dem Friedhof, später fahren mit Nachmanns nach Worms und Rosel und Sigmund freuen sich seh; die Herrn wollen Skat spielen.

Leider kommt Vater nicht nach U.S.A., um Dich zu besuchen. Herr Herz hat ganz im Sinne von Vater geschrieben, aber ich werde Anfang Juni meine Kinder und Geschwister besuchen und hat Vater sich vorgenommen, 14 Tage Ferien zu machen, wahrscheinlich nach Bad Nauheim zu fahren; die Ruhe und Ausspannung wird ihm gut tun. Hede geht vielleicht nach Bretten und einige Tage nach Worms, dann hat sie auch Ferien.

Was spricht man von dem traurigen Geschick „Luftschiff Hindenburg“ ist furchtbar. Diese Woche war der Freund von Karl Kahn, Seligmann, hier, hat sich bei Kahn verabschiedet, Mittwoch reist ab. Es kann sein, dass er später nach Chicago kommt. Von Tante Hilda haben wieder nichts gehört, hoffentlich hat Kurt weite jetzt etwas Glück. Tante Hans schrieb, dass Ernas Herbert jetzt die Papiere hatten, so können dort bleiben und arbeiten, sonst hören wenig von der Familie; haben nie Zeit, uns zu besuchen; das tut mit als so leid!

Im Garten ist es wunderschön, gestern Mittag waren draussen, wenn das Wetter günstig bleibt, giebt es vielleicht Johannistrauben en masse. Du scheinst sehr oft bei Hirsch zu sein, das ist Deine 2te Heimat. Leopold Hirsch Büttelborn hatte eine schwere Operation, aber G.s.d D. er ist gerettet, ein altes Magenleiden. (Dr. Rosenthal Darmstadt); der Magen hat jetzt einen neuen Ausgang bekommen. Vater hat ihn am Freitag besucht, geht besser. Von Samuel Schott ist schon wieder einer Schwester in Ffm gestorben (Bertha Mager) - der vierte Todessfall in Schotts Familie. Wenn du, l. Martin, mir etwas zu berichten hast, was Vater nicht wissen soll, kannst mir ab Anfang Juni nach Canvers schreiben. M. Marx rue de léglise 72.

Ich denke, alles berichtet zu haben. Hoffe, dass Du zufrieden ist, recht herzl Grüsse an Dich und all Bekannten und Verwandten von Joh. Kossmann.


Ist Tante Sophie zurück? Grüsse von Hede, ist noch in der Küche und schrubbt. 1 Uhr 20 Minuten.


May 9, 1937

Dear Martin,
We have just unpacked and stored 50 bottles of wine in the cellar; won’t you come over and have a glass? Do you ever get to drink wine over there? We are always very happy about your letter, as we can relax for a bit while we decipher it; this time we were particularly happy about you seeming to be getting ahead at work: now that’s progress! Now you can use your brain at work, just like you wished. Today it's Mother’s Day and Father and Hede went to the cemetery; later we'll go with Nachmanns to Worms and Rosel and Sigmund are looking forward to that; the men want to play skat.
Sadly Father will not travel to the U.S.A. to visit you. Herr Herz agreed with this in his letter; I will visit my children and sister at the beginning of June, and Father plans to have a 14 day holiday; most likely he will go to Bad Neuheim; peace and quiet will do him good; Hede will perhaps go to Bretten and for a few days also to Worms so she can also have a vacation.
What are people saying about the Hindenburg crash: it's terribly sad isn’t it! This week Seligmann, the friend of Karl Kahn was here, said good bye to Kahn, he is leaving on Wednesday. Could be that he goes to Chicago later. We have not heard anything from Aunt Hilda. Hopefully Kurt will have more luck now. Aunt Hans wrote that Erna’s Herbert has got his papers, so they can stay and work there, otherwise we don’t hear much from the family; the never have time to visit us, unfortunately!
The garden looks gorgeous, we were out there yesterday noon; if the weather stays warm, we will have tons of black currants. You seem to spend a lot of time with Hirsch, that is now your second home. Leopold Hirsch (of Büttelborn) had a difficult surgery but thank God he made it – an old stomach issue. (Dr. Rosenthal Darmstadt); His stomach has a new opening now. Father visited him on Friday; he is better now. Samuel Schott’s family has lost the fourth member – his sister (Bertha Mager) died in Frankfurt. When you, dear Martin, have something to tell me that Father should not know about, you can write to me to Canvers in the beginning of June. c/o M. Marx rue de léglise 72. I think that’s all. Hope you are content. Warm greetings to you and all acquaintances and family from Joh. Kossmann.

Has Aunt Sophie returned?  Greetings from Hede, she is scrubbing the kitchen right now. 1 hour and 20 minutes.

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