Firmenbriefkopf Nr. 41 19.4. 1937

Lieber Martin


Ich freue mich , dass es dir gut geht, aber mehr würde mich freuen, wenn du mehr essen würdest, oder früher zu Bett gingest; denn wie ich hörte, siehst du nicht gut aus. Ein junger Mensch in Deinem Alter muss vor Allem viel essen und die nötige Nachtruhe haben, sonst kann sich der Körper nicht ausbilden. Ich will hoffen, dass diese Mahnung genügt und du meinem Rate folgst. Wenn du mit deinem Gehalt nicht auskommst, lass es mich wissen, damit ich Abhilfe schaffen kann. Auf deinen Bf. eingehend, teile dir mit, dass Job seine Papiere verkaufte und sein Geschäft mit ca. 8 Mill. Einlage anfing; bei den jetzigen Zahlungsbedingungen und Belieferung ist es ja auch genug. Das Conto bei der D(eutschen) B(etriebsprüfung) ist beglichen und laufen noch Ml 2400.- Kundenwechsel, die in 4 Wochen auch eingelöst sind und alsdann mein Haus wieder frei ist, d(as) heisst, ist bis dahin meine Grundschuld zurückbekomme.

Betr. der Besuchsbürgschaft hat Frau Kossmann doch mit der Hapag gesprochen und will diese, sobald ich im Besitze derseben bin alles erledigen. Ich glaube, dass es auch durch die Hapag am raschesten geht. Ich habe dir im letzten Bf. doch schon geschrieben, was du evtl. noch für Spesen? willst. Frau Kahn dir eine L. und 1 Fernglas und 2 Linsen mitgebracht und wirst du jetzt im Besitze derselben sein.; aber darüber haben wir ja schon einmal geschrieben. Die Linsen von Fam. Marx wirst du ja jetzt hauch haben. Über unseren gestrigen Besuch hat dir ja Hede berichtet, wir haben uns sehr mit Wieners gefreut , Onkel Max und Tante Selma kamen auch noch und war es sehr gemütlich. Sie wollen dir auch heute schreiben. Von Siegel. Westerfeld geht sein Töchterchen in 14 Tagen nach Chicago . Ich fuhr heute morgen mit ihr bis Walldorf und gab ihr deine Adresse. Sie will dir eine Karte schreiben.

Hat dir eigentlich Salli was gesagt wegen Onkel Maxens Teleph.-Nr., wenn nicht, frage ihn darüber.

Wenn du mir privat mal was schreiben willst, so schreibe auf einen extra Zettel und lege ihn bei, weil sie doch drüben immer sehr neugierig sind und jeden Bf. lesen wollen. Auf Elsens photo-Pläne gebe ich gar nichts, dies ist alles nur mit dem Munde; sie spricht schon lange davon, aber ich sehe nicht, dass sie Anstalten hierzu macht. Sonst weiss nichts für heute. Grüsse alle Verwandten und Bekannten und sei du herzl. Geküsst von d. Vater.


Number 41, April 19th, 1937

Dear Martin,

Glad to hear you are doing well, but I would be even happier if you ate better and went to bed earlier; for, as I have heard, you don’t look too good. A young person of your age must eat particularly well and get enough sleep; otherwise the body cannot develop properly. Hope this warning is enough for you to follow my advice. If your income is not enough, let me know so I can help you. In response to your letter, I want to let you know that Job sold his bonds and began his business with about 8 thousand invested. Under the current difficulties with payment and shipping that is quite sufficient. The account at the DB has been settled with 2400. Customers’ bills of exchange are still running, which will be resolved in 4 weeks so that then my house is again debt free, which means that by then my basic debt will have been recovered.
With regards to the Affidavit, Frau Kossmann inquired at Hapag and she will take care of the whole thing as soon as I have that paper. I too believe, it would work the speediest through Hapag. I have already asked you in my last letter about what else do you need. Frau Kahn has taken a L.[eica], 1 binoculars and two lenses with her, that you have surely in the meantime received. But we have already talked about this earlier. You will also have received the lenses from the Marx family. Hede already wrote to you about our visitors from yesterday, we were very happy about the Wieners, Uncle Max and Aunt Selma joined us as well and it was all very lovely. They want to write to you too, today. Siegel’s little daughter of Westerfeld is going to Chicago in two weeks. I went with her today to Waldorf and gave her your address. She will send you a card.
Has Salli told you anything about Uncle Max’s telephone number? If not, ask him.  
If you want to write to me something private, put it on a separate piece of paper in the envelope, because they over there are always very curious and want to read every letter. I do not think much of Else’s photo plans – it is all talk; she has spoken about this forever but I don’t see her doing much about it. Otherwise nothing new today. Say hello to all and warm kisses to you from your Father.

credit: bg
Comments