Firmenbriefkopf 14. 3. 1937


Lieber Martin!


Diese Woche haben von Dir noch kein Nachricht und hoffen Dich gesund und vergnügt; hier ist alles beim Alten und sind froh damit. Vater und ich haben heute einen Spaziergang gemacht, tut die Luft einem gut, man geht so selten fort. Etwas besonderes hat sich diese Woche nicht ereignet; am Donnerstagmittag war hier Gottesdienst, die Ausgrabungen (der jüdischen Friedhöfe) sind jetzt beendet und waren 3 Rabbiner hier: Levy, Meybach, Bienheim; Hartogsohn hielt den Gottesdienst und wurde auf dem Friedhof gesprochen. Jetzt hast Du sicher Sally gesprochen; sein letzter Brief schrieb schon, dass in einigen Tagen nach Chic(ago) fährt. Hast ihn alles schoen ausgefragt? Von Frau Winter hörten noch nichts. Vater hat sie schriftlich begrüsst.

Was treibst Du an den Ostertagen: wir müssen zu Hause bleiben, Matze haben schon bekommen. Matklöße werde Dir einige schicken oder bekommst doch?

Habt Ihr im Geschäft zu tun, obwohl noch schlechtes Wetter ist, wird zu den Ostertagen doch neues angeschafft. Wir waren am Mittwoch bei Frau Haas wegen Hüte, soll Dich grüssen. Wir hörten, dass Trude Marxsohn, Manns Kinder am Freitag in Stuttgart waren, der Onkel wohnt doch in Ch(icago) Von Tante Hilda hatten Brief; Kurt ist für Dienstag bestellt; das Geschäft, für das Onkel reist, ist in anderen Händen aber er kann noch reisen ohne festes Gehalt; dies sind für ihn auch schwe; so kommt jeder an die Reihe. In den letzten Monaten hat sich vieles verändert; ich bin begierig, wie Vater seine Zeit verbringt, wenn das Geschäft abgemeldet ist. Wir spielen wieder öfter Rommée; gestern mittag haben mit Job und Hanne gemauschelt, denn es regnete nur einmal. Sonst habe nichts zu erzählen - bleibe gesund grüsse mir all Bekannte und Verwandten recht herzl. Grüsse für Dich von Johanna Kossmann.


March 14th, 1937

Dear Martin,

We have not got one word from you this week and hope you are well and happy; here everything is like before, and we are glad about it. Father and I went for a walk today, the fresh air felt great, we go out so little. Nothing special happened this week. We had service Thursday afternoon; the Jewish cemeteries are now completely dug up; 3 rabbis were here: Levy, Meybach, Bienheim; Hartogsohn held the service and spoke at the cemetery. By now you must have surely spoken to Sally; in his last letter he mentioned he would soon be going to Chicago. Have you asked him about everything? We have not heard about Mrs. Winter as of yet. Father sent her greetings in writing.
What are you going to do during Easter: we must stay at home; we have already got some matzo. I would send you matzo balls, or can you get some there?
Are you busy in the shop despite the bad weather? Will you get new wares for Easter? We went to Frau Haas's for hats on Wednesday, she says hello. We have heard that Trude Marxsohn, husband and children were in Stuttgart on Friday, their uncle lives in Ch(icago). Aunt Hilda wrote to us; Kurt has his appointment on Tuesday; the business Uncle travels for was sold but he can still travel without a set income; that is hard for him; we all get our turn sooner or later. Recently there were a lot of changes; I wonder how Father will pass the time once his business is gone. These days we again often play rummy; yesterday noon we played with Job and Hanne, for it only rained once. Otherwise there is nothing to report – stay healthy, say hello to all the people and relatives and warm greetings to you from Johanna Kossmann.  

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