Firmenbriefkopf 15. Febr. 1937

Lieber Martin

Um nochmals auf deinen letzten Bf. zurückzukommen, möchte ich Dich nochmals bitten, mir zu schreiben, was dich eigentlich dazu bewegte, auf diesen Gedanken zu kommen. Ich meine immer, es wäre für dich besser, wenn du in Chicago bliebest, wo doch alle Verwandten sind und Max und Käthchen so nett an mich schrieben und nach meinem Dafürhalten auch stets dein Interesse wahren. Also nur keine Überstürzung und bleib mal vorerst, wo du bist.
Ich weiß nicht, ob dir schonmal über Onkel Salom.(ons) Äcker geschrieben habe. Hier ist es den Bauern verboten, einen Acker von Juden zu pachten, weshalb sich Onkel heute einen Bauer von Biebesheim kommen liess, der sie ihm pflügte; der Bauer ist nach Belgien. Hier hätte er Niemand bekommen, der es ihm getan hätte. Der Mann säht sie auch im Frühjahr ein und erntet sie später ab.

Im Geschäft ist von Tag zu Tag weniger zu tun und werde ich voraussichtlig am 1. April das Geschäft abmelden und spare dann 2 Mille (2.000 Mk) Gewerbesteuer. Das hätte doch niemals geglaubt.

Grüße Familie August Hirsch sowie Herzens und Winters von mir und sei du herzl. geküßt von deinem Vater.


February 15th, 1937
Dear Martin,
To come back to your last letter again, I'd ask you again to please write to me, and explain exactly what caused you to come up with this idea. I continue to believe it would be better for you to remain in Chicago, where all the relatives are, and Max and Käthchen have written so nicely to me, and as far as I can tell always have your interests in mind. So just no rush and stay for now where you are. I'm not sure if I've already written you about Uncle Salomon's fields. It is forbidden here for the farmers to lease fields from the Jews, so today Uncle had a farmer from Biebesheim come to plow them. The farmer is going to Belgium. Here he wouldn't have found anyone who would have done it for him. The man plants them in the spring and then later harvests them. There's less to do every day in the business, and I plan on the first of April to close the business and save the 2000 Marks in business taxes. That' something I never would have believed.
Send my regards to August Hirsch and family, as well as the Herzes and the Winters and a big kiss from your Father.
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