Firmenbriefkopf 12. 1. 1937
Lieber Martin!

Wir warteten auf Deinen Brief, der erst heute mittag ankam und sind erstaunt, dass Du bald 3 Wochen keine Nachricht von uns hattest; wir schreiben jede Woche - vielleicht kommen sie alle noch an. In Milw(aukee) hat es Dir deinem Schreiben nach gut gefallen.
Kahn´s geht es gut, haben sicher das Grosse Los gezogen; er hat direkte Nachricht von hier gehabt.
Erstaunt waren, daß Du in einem andern Betrieb bist und uns nichts hast wissen lassen; vielleicht gefällt es Dir da besser, so kommt man in alle Branchen herum; was ist eigentlich da deine Beschäftigung; vielleicht lernst Du nähen und Zuschneiden. Wie kommt es dass Du alle Sprachen durchmachst, sind das Ausländer? Ich wünschte für Dich, daß Du das Hirn mal in Anspruch nehmen kannst.
Also einige Objektive haben die Kölner doch dort behalten und bringen sie mit; das Fernglas ist momentan bei Rosels Sigmund; ich war am Sonntag da, brachte dies und eine Leica und 1 Objektiv hin, aber - was die Dame mitnimmt, weiss noch nicht; diese kommt erst Ende der Woche wieder nach Worms, wenn ich dann Bescheid habe , gebe über alles genauen Bericht. Hoffentlich haben Glück! Hemden bringt Sally mit, 3 weisse sind schon da. Die anderen besorge jetzt noch.

Eine Verlobung hat es gegeben: Liesel Oppenheimer hat sich mit Markus Hertz, Schwager von Hede O. knall und fall verlobt, natürlich Eltern und Brautpaar ist überglücklich. Samstag fahren hin, wollen doch persönlich gratulieren. Siegf.(ried) Oppenheimer war gestern hier, hat Dir auch eine Karte geschrieben mit dem Stempel 7. Briefmarkentag; ich habe von Belgien 2 nette Marken auf Karte bekommen. Vater sammelt immer weiter.

Sonntag ist hier in der Synagoge Conzert, Gottesdienst und Aussprache; Sänger sind von Mainzer Synag.(ogen)–Chor; Dr. Bienheim kommt, spricht und wir und Kahns geben den Leuten Kaffee und Kuchen als Dank im Stübchen oben; man will den Leuten auf dem Lande auch für ihr Seelische Betreuung was tun; das ganze Ried sind eingeladen.
Sonst hat sich hier nichts zugetragen; wir haben schönes kaltes Wetter; habe am Samstag mit Joh.(anna) Kahn einen großen Spaziergang nach dem Wald gemacht. Vater hat wie immer an den Büchern gearbeitet; er ist fleissig.
Lass dich nur nicht so von den Damen im Geschäft verwöhnen.
Sicher ein bischen tut doch gut. Ich sende Dir die herzl. Grüsse auch an alle Bekannten und Verwandten, die besten Grüsse von Johanna Kossmann. Die Wormser lassen Dich grüssen.


January 12, 1937
Dear Martin,
We waited for your letter that arrived just today midday, and we're astonished that you had no news from us for nearly three weeks; we write every week, perhaps they'll still all arrive eventually. It sounds from your writing that you enjoyed Milwaukee. The Kahns are doing well, they certainly hit the jackpot; he had direct news from here.
We were astounded that you're in a new role and didn't mention anything about it to us; perhaps you'll like that better, as you'll get to travel around to all the branches; what actually is your job now; perhaps you'll learn sewing and cutting? How is it that you're experiencing all these languages, are they foreigners? I hope you'll have an opportunity to use your brain.
Alright, some of the lenses are coming with the Colognians, the binoculars are with Rosel's Sigmund; I was there on Sunday, I brought this and a Leica and one lens there, but what the lady will take over, I still don't know. She's going first to Worms at the end of the week; when I then know more, I'll give you the details on everything. Hopefully we'll be in luck! Sally's bringing the shirts; 3 white ones are already there. The others I'm still working on. 
There has been an engagement: Liesel Oppenheimer got engaged all of a sudden to Markus Hertz, the brother-in-law of Hede O. Naturally, the parents and the couple are overjoyed. On Saturday, we'll drive there as we want to congratulate them personally. Siegfried Oppenheimer was here yesterday, and wrote you a postcard with the Postage Stamp Day cancellation; I got two nice stamps on postcards from Belgium. Father continues to collect.
On Sunday in the synagogue there's a concert, prayer service and talks; the singers from the Mainz synagogue choir are coming, Dr. Bienheim is coming and will speak. We and the Kahns are giving people coffee and cake as thanks in the little room upstairs. Something must be done for the spiritual care of the people out in the country; the whole area is invited.
Otherwise nothing's happened here; we have beautiful cold weather; I took a great long walk through the woods with Johanna Kahn on Saturday. Father was working, as always, on the books. He is industrious!
Don't be spoiled by the women in the shop, although surely a bit would do you well. I send you hearty greetings, also to all the friends and relatives, I send my best greetings, from Johanna Kossmann. The Worms folks send their greetings.
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