Firmenbriefkopf 27.12. 1936 Nr. 25


Lieber Martin!
Nach 11tägischer (= tägiger) Pause empfing heute deinen Bf. Nr. 23 und freut es mich daraus zu sehen, daß du gesund bist und kann ein Gleiches von uns allen berichten. Die Feiertage sind soweit herum; gestern waren die Niersteiner hier und sind wir mit Ihnen nach Frankf.(urt) gefahren, um ins Schumann zu gehen; da aber für Mittag und Abend ausverkauft war, gingen wir ins Kaffee Esplanade, tranken dort Kaffee und fuhren um 6 ½ wieder nach Hause und haben die Niersteiner mit uns zu Nacht gegessen und fuhren um 9 Uhr nach Hause; das war unser gestriges Vergnügen. Heute Mittag werden mit Hede, die Planka (= Blanka) und Trude besuchen will, nach Frankfurt fahren und wollen wir Heinrich Hirschs besuchen und wenn heute Karten für Schumann bekommen, was ja auch bezweifle, mal dahin gehen. -----
Inzwischen kam die Theaterkasse von Schuhmann und haben wir gerade noch 3 Plätze à 2,50 für heute Abend bekommen. Wie aus deinen Zeilen entnahmen, hast du viel Unannehmlichkeiten mit Kurt. Am besten wird sein, wenn du dich weiter nicht um ihn kümmerst, wenn du ihm doch nicht helfen kannst und mir ist es viel angenehmer, wenn du nicht mit ihm zusammen kommst!
Anscheinend kommst du eben auch weniger mit Herzens zusammen, seit August Hirsch drüben sind, was mir nicht recht wäre. Denn Onkel Max hat für dich gesorgt und kannst du ihm gar nicht dankbar genug sein und sei vor Allem zu Käthchen besonders aufmerk-sam.

Einl(iegend) lege dir einen Bf. ein und kannst du alles daraus ersehen. Niemand will was mitnehmen und muß halt abwarten, bis sich jemand findet. Den Kahn´s Jungen habe doch 2 Würste mitgegeben und hoffe doch, daß du diese bekommst. Heute schrieb auch Karl Kahn sehr zufrieden; er verdient auch 15 Dollar und zahlt für Zimmer, Frühstück und Nachtessen 8 Dollar bei einer deutschen Familie. Herzlichen Gruß und Kuß v. d. Vater


Die Heinrich Hirschs, die hier erwähnt werden, sind mit Sicherheit die nach Frankfurt verzogenen Hirschs (Heinrich und Lina) Mitinhaber der Liquör-und Essigfabrik in Gross-Gerau; sie liegen auf dem jüd. Friedhof in FfM begraben.


December 27, 1936 (Number 25)


Dear Martin,
After an 11 day gap, today your letter number 23 arrived, and I was happy to see that you're healthy; I can report the same of us. The holidays are past us now; yesterday the Niersteiners were here and we went with them to Frankfurt to go to the Schumann [Circus], but as it was sold out for the midday and evening shows, we went instead to the Cafe Esplanade and had coffees, and then drove home again at 6:30, and the Niersteiners stayed for dinner with us and then drove home at 9. That was yesterday's entertainment. Midday today we'll go with Hede to Frankfurt, as she wants to visit Blanka and Trude, and we'll visit the Heinrich Hirschs, and if we can get tickets for the Schumann (which I doubt), then maybe we'll go. ---
In the meantime, I went to the ticket booth for Schumann and we just bought three tickets for this evening at 2.50 a piece. As I gathered from your lines, you have a lot of unpleasantness with Kurt. It would be best if you didn't worry about him any more, if you can't help him, and it's much more comfortable for me if you don't get together with him.
Apparently you're getting together with the Herzes less too ever since August Hirsches are over there, which doesn't seem right to me. Uncle Max has gone out of his way for you, and you can hardly be too grateful to him, and above all be attentive to Käthchen.
Enclosed you'll find a letter, and you can find everything there. No one wants to take anything with, so you'll need to wait until someone turns up. I gave Kahn's boys two sausages, and I hope that you'll at least get these. Today Karl Kahn also wrote, very pleased: he's also earning 15 dollars and pays 8 dollars to a German family for room, breakfast and dinner. Heartfelt greetings and a kiss from your father.
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