Ingelheim 25. 12.1936 Jakob Marx an Johanna Kossmann


Liebe Johanna,
es tut mir furchtbar leid, Dir mitteilen zu müssen, daß ich das Fernglas usw. nicht mitnehmen kann, da ich mich keinen Unannehmlichkeiten aussetzen möchte, was Du ja auch nicht haben willst. Ich hätte es ja gern mitgenommen, aber nachdem mir ein Zeitungsartikel zu Gesicht gekommen ist, der von jüd.(ischem) Schleichhandel in Leicas und Ferngläser spricht, bin ich zu ängstlich . Auch für mich nehme ich nichts mit und bin ich froh, daß ich noch keine Leicas gekauft habe. In dem angeführten Bericht heißt es, unter anderm, „ der Verkauf von in Deutschland erworbenen Kameras oder optischen Apparaten durch Auswanderer in den Vereinigten Staaten ist nach den deutschen Devisengesetzen gegen die Kapitalflucht ein Verbrechen, das durch strenge Strafen geahndet wird. Die maßgebenden deutschen Stellen haben erfolgreiche Maßnahmen durchgeführt, um diese indirekte Kapitalausfuhr zu verhindern.“ Die amerik. Behörden planen für alle, die diesen Schmuggel unterstützen die Ausweisung, auch hat man bereits verschiedene Verhaftungen vorgenommen.
Herr Marx wird mir unter diesen Umständen nicht zumuten, ein solches Risico zu übernehmen. Ich bitte Dich daher, mir die Addresse der Kölner Verwandten des Herrn Marx mitzuteilen, damit ich diesen die Sachen aushändige.

Mit bestem Gruß verbleibe Dein Jak.(ob) Marx.


Ingelheim, 12/25/1936

Dear Johanna,
I'm terribly sorry to have to say this, but I won't be able to take the binoculars, etc. with, as I don't want to expose myself to any unpleasantness, and I'm sure you also won't. I would have liked to have taken it, but then I came across a newspaper article about a Jewish black market in Leicas and binoculars, and now I'm too anxious. I'm also not taking anything for myself, and I'm happy that I still hadn't bought any Leicas. In the report I mentioned, it states, among other things, "the sale of cameras or optical devices acquired in Germany by emigrants to the United States is, in accordance with German foreign exchange laws against capital flight, a crime that is punishable by severe penalties. The relevant German authorities have carried out successful measures to prevent this indirect export of capital." The American authorities plan to deport anyone supporting this smuggling effort, and have already made a number of different arrests. Herr Marx won't expect me to take such a risk under these circumstances. I ask you therefore to pass along the address of the Marx relatives in Cologne, so I can hand the things over.
Best wishes, I remain your Jakob Marx
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