Firmenbriefkopf Nr. 21 29. November 1936

Lieber Martin,

Dein Bf. Nr. 18 kam 27/XI und Nr. 19 am 28/XI. an. Es freut mich, daß das Confect rechtzeitig zum deinem Geburtstag ankam und wird dir hoffentlich auch geschmeckt haben. Wie du schiebst, waren die l. Verwandten ja sehr aufmerksam zu dir und habt Ihr ja deinen Geburtstag noch schön gefeiert.
Daß Max Herz nicht so bereitwillig die Bürgschaft für Curt stellen will, finde begreiflich, aber es wird für dich besser sein, wenn du bei Herzens und Winters gar nichts mehr davon erwähnst. Wie dir ja kürzlich schrieb, hat Tante Hilda ja an beide wegen Bürgschaft geschrieben und ich hatte
so? beide Bf. noch geschrieben. Udo schrieb dieser Tage an Hilda, daß er Billet und außerdem noch was Geld schicken würde, wenn die Chicagoer die Bürgschaft stellen und für Arbeit für Curt sorgen würden. Haben eigentlich Max und Sophie von den Briefen von Hilda bei dir was erwähnt?
Berthel ist für einige Tage nach Amsterdam zu Curt und wird am Dienstag wieder zurück kommen. Tante Hilda hat ihr gestern die Copie deines Bf. Nr. 19 nach dorten geschickt damit sie sich nicht allzu viel Hoffnungen machen. So sehr ich´s ihm wünsche, daß ihm geholfen würde, so leid thut es mir, denn es ist doch schlimm, wenn ein junger Mann keine Arbeit hat und Nichts verdient.
Arthur Gottschall ist heute und Kahns Jungen reisen morgen ab. Ich habe Ihnen heute Morgen eine Leica für dich gebracht, aber ob sie diese noch mitnehmen können , wußten sie noch nicht, da heut Mittag ein Onkel von ihnen kommt und wird jedenfalls 2 Stück bringen. Ich müßte dann sehen, wem sie sonst mitgeben kann.

Für dein Vermächtnis zu meinem Geburtstag danke dir recht herzl. und werde ich sehen daß ich es gut für dich anlegen kann.
Jetzt hast du auch mal gesehen, was Nachtarbeit heißt; das hättest du dir hier doch nicht träumen lassen; aber alles egal! Die Hauptsache ist, daß du Arbeit und Brot hast.


Für heute noch herz. geküsst von deinem Vater 

Grüsse an alle Verwandten 

Number 21                                          November 29, 1936

Dear Martin,
Your letter number 18 arrived on the 27th of November and number 19 on the 28th. I was pleased that the confections arrived in time for your birthday, and hopefully they tasted good. From your description, it sounds like the relatives were very attentive to you and celebrated your birthday nicely. I find it understandable that Max Herz isn't so willing to offer the affidavit for Curt, but it'll be better for you if you don't mention it anymore when at the Herzes or Winters. As I wrote to you recently, Aunt Hilda wrote to both about the affidavit, and I also wrote to both. Udo wrote Hilda recently that he'd send tickets and also some money if the Chicagoans would offer the affidavit and sort out some work for Curt. Have Max and Sophie mentioned anything to you about the letters from Hilda? Berthel is going to visit Curt for a few days in Amsterdam and will return on Tuesday. Aunt Hilda sent her the copy of your letter number 19, so they don't get their hopes up too much. As much as I wish for him, that he'll be helped, it pains me, as it's such a pity when a young man has no work and doesn't earn anything. Arthur Gottschall is today, and Kahn's boys set off tomorrow. I brought them a Leica for you today, but they're not yet sure whether they'll be able to bring it. They still didn't know, as an uncle of theirs is coming midday, and will bring at least two pieces. I'll have to see then, whom else I might give it to. I thank you much for the bequest for my birthday, and I'll see to it that I invest it wisely for you. Now you've seen what it means to work the night shift, that's something you'd never have dreamed of doing here. But it doesn't matter! The main thing is, that you have work and bread. 

For today, a kiss from your Father.

Greetings to all our relatives.
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