Firmenbriefkopf 15. November 1936 (keine Numerierung)

Lieber Martin!
Nochmals ein „Hoch“ auf dein Wohl, in Gedanken waren ständig mit dir zusammen. Hast Du wenigstens etwas gefeiert? Bei uns wurde gestern abend gespielt bis 12 ½ Uhr und gratulierten Kahns und alle für Dich. Gestern erhielten Kahn´s Bericht, dass Karl gut angekommen ist; das Schiff hatte grosse Verspätung durch Nebel und Sturm; es war die ganze Woche schon große Angst bei Kahn.
Am Donnerstag abend waren mit Tante Hilda, Vater, Nachmann in Darmstadt. Es sollte ein Vortrag über Amerika sein, aber im letzten Moment wurde abgesagt, so dass die Herrn in Stadt Frankfurt Skat spielten und wir Damen gingen ins Kino: „Du bist mein Glück“ (mit Gigli (der Carmen Tenor); es war fein, natürlich Kahns waren dabei; wir sind doch unsolid!
Sally hat herrliche Sachen eingekauft, aber ist noch nicht fertig; es tut mit immer leid, wenn ich höre, die Hemden passen nicht. Verkaufe sie, kannst dann andere anschaffen. Sollen wir mit Sally Polohemden mitgeben?
Kahn´s Buben kommen nach Chicago, da werden diese mit den Auto abgeholt.
Schreibe nach Milwaukee, dass diese Dich wissen lassen, wenn die Jungens abgeholt werden. Am 3. Dec. geht die Hamburg ab.
Heute war Liesel Oppenheimer hier, sieht gut aus, lässt grüssen; jeder erkundigt sich nach Dir. Die Wormser kommen jetzt auch mal hierher. Ich gebe Dir anbei die neue Adresse von Änne; an uns hat sie auch noch nicht geschrieben. Lotti muss goldig sein;
denn jeder sei entzückt; Ernst fährt am 9. Dezember; es geht alles weg. Es ist eben still bei uns, Hede fort; hoffentlich kommt ohne Erkältung zurück.
Unser Radio ist jetzt endlich in Ordnung, denn der Zeiger ist gemacht, wir drehen oft und viel.
Was schreib Blum, bleibt er in Génève. Ich sende Dir für heute die herzl. Grüsse und alles Gute von Joh. Kossmann.
Max Oppenheimer 100 E. Caldwell Str. Apt2
Louisvill. (Kentucky)

Lieber Martin, ich freue mich, daß du Dich schon so gut eingelebt hast. Hoffentlich hast Du keinen Geburtstag noch vergnügt verlebt
Grüße alle Verwandten. Herzlichen Gruß und Kuß Deine Tante Hilda


November 15th, 1936

Dear Martin,
Again a "Cheers" to your health, our thoughts were constantly with you. Did you celebrate at least a little? Yesterday we played until 12:30 a.m. and the Kahns and the rest were celebrating you. Yesterday, the Kahns received word that Karl arrived okay. The ship was seriously delayed because of fog and storms; it was an anxious week at the Kahn house. On Thursday evening we went with Aunt Hilda, Father, and Nachmann to Darmstadt. There was to have been a lecture about America, but at the last moment it was canceled, so the men went to Frankfurt to play skat and we women went to the movies: Thou Art my Joy, with Gigli, the Carmen tenor. It was fine, of course, the Kahns were there, we are still not solid. 
Sally bought beautiful things, but still isn't done; I'm always sorry when I hear that the shirts didn't fit. Sell them, so you can buy others. Should we send the polo shirts with Sally?
Kahns' boys are headed to Chicago, where they'll be picked up by car. Write to Milwaukee, so they can let you know when the boys get picked up. On December 3rd, the [SS] Hamburg leaves. 
Liesel Oppenheimer was here today. She looks good, sends her greetings. Everyone asks after you. The Worms crew will also come here again. I'll give you Änne's new address; she's still not written to us either. Lotti must be golden, as everyone was delighted. Ernst leaves on the 9th of December, everyone is leaving. It's very quiet with us, and Hede's gone, hopefully she'll make it back without a cold. Our radio is finally working again, the tuner is made, and we rotate it often. What does Blum write, is he staying in Geneva? I'll send you for today heartfelt greetings and all the best from Johanna Kossmann

Max Oppenheimer

Dear Martin, I'm happy to hear you're already so well settled in. Hopefully you've had a joyous birthday. Greeting to all the relatives, and greetings and a kiss from your Aunt Hilda.
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