Firmenbriefkopf Brief Nr. 18 9. Nov. 1936
Lieber Martin!
Mit Sehnsucht erwarteten Deinen Brief, wir sahen, dass Du wohlauf bist, bei uns ist G.s.D. alles gesund und sind so zufrieden; denn haben eben viel Regen, aber kalt ist es bis jetzt noch nicht. Du wirst jetzt Hirschs besucht haben, sicher ist es bei denselben sehr schön und elegant. Kannst Du, l. Martin, den Tauchsieder
Elekt nicht verwenden? denn deine Sachen sind doch für 110-220 Volt. Koche Du nur was Richtiges, denn wenn man arbeitet, muss man gut essen. Schade, dass nicht Gänsefett schicken können, eine Wurst geht dieser Tage ab. Und hoffen, wenn das Confect gut landet, noch öfter was zu schicken.
Wir hoffen alle, dass Du mit dem Verdienst auskommt, wer besorgt deine Wäsche? dies kostet doch auch Geld. Bekommst auch gestopft und geflickt. Du überlegst schon, wie Vater und Hede auf dem schnellsten Weg zu Dir kommen; dies ist ja fein von Dir gedacht, aber Dein Vater scheint daran noch nicht zu denken, denn er hat am Freitag für den Hausgang, damit es wärmer ist, einen Läufer gekauft, ich sage, Du, er sieht fein aus und ist warm.
Änne hat schon ihre Wohnung; es ist komisch von ihr, dass Dir noch nicht geantwortet hat; von Lotti haben ein Bild geschickt, hat sich verändert; Ernst reist am 9. Dez. Tante Selma rüstet fest. Else sorgt eben für Sally, gebe ihr da Ratschläge. Kahns Jungens haben auch das Visum; fahren Ende November, da werden was essbares mitgeben denn diese werden in Chicago abgeholt.
Mache Dir nur keine Sorgen um uns, alles ist ruhig; wir gehen wenig fort, wir halten unseren Winterschlaf; abends wie üblich Karten, aber Vater macht alle Spiele. Die jüd(ische) Winterhilfe ist auch wieder in Funktion; aber leider sind soviel grosse Lücken, da man weiss nicht, wo man zuerst anfangen soll.
Else ist dies Jahr auch etwas tätig; das andere machen Kahns und Friedel Schott hilft viel mit. Hörst Du auch von deinen Freunden oder hast Du alle Korrespondenz aufgegeben? Aber man freut sich doch mit allen Nachrichten.


Wie hast Du Deinen Geburtstag verbracht? Morgen fährt Hede nach Bretten, dann ist es ruhig bei uns; das erste mal geht sie jetzt weg, seitdem Du in Chicago bist. Es ist 10 Uhr abends und machen Schluss mit herzl. Gruessen auch an deine Bekannten und Verwandten
Frau Kossmann.


Number 18
November 9, 1936

Dear Martin,

We've been longing for your letter; we saw that you're doing well, and thank god, we're all healthy and good; we've had a lot of rain lately, but it's not yet gotten cold. You will have visited the Hirschs by now; surely, it's beautiful and elegant there. Can you not use the electric immersion heater, as your things are indeed for 110-220 Volts? Just be sure to cook something proper, as when you're working you need to eat right. Too bad we can't send you goose fat, otherwise a sausage would be headed your way. We hope, if the confections make it okay, to be able to send you things more often.
We all hope you're making by with your earnings, how much is your laundry? This too is an expense. Do you also get it packed and patched? You're already thinking about how to get Father and Hede over to you as quickly as possible; this is fine and good, but your father doesn't appear to be thinking this way. He just bought a runner for the hallway on Friday; I'm telling you, it's warm and looks nice.
Änne already has her apartment. It's strange of her not to have responded to you yet. We got a picture from Lotti, she's changed. Ernst leaves on the 9th of December. Aunt Selma prepares. Else is caring for Sally, I gave her suggestions. Kahns' boys also have visas; they leave end of November, so I'll send something edible, as they'll get picked up in Chicago.
Don't you worry about us. Everything is quiet. We don't leave so much, we're doing our winter hibernating. In the evenings, cards as usual, and Father makes all the games. The Jewish winter assistance drive is happening again, but unfortunately, there are such large gaps, one doesn't even know where to start. Else is also somewhat active this year, and the rest is done by the Kahns; Friedel Schott helps a lot. Do you also hear from your friends or have you given up all correspondence? But one is happy to hear all news. 
How did you spend your birthday? Tomorrow Hede heads to Bretten, and then it'll be quiet here. This is the first time she's went away since you've been in Chicago. It's ten o'clock in the evening so I'll wrap up with warm greetings also to your friends and relatives, 
Frau Kossmann

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